Lucas (8) prüft noch einmal schnell den Sitz seiner Krokodilsmaske. Voller Anspannung verfolgt er jeden Schritt von „Hawi" alias Javier Valentin-Gamazo, dem Trommelzauberlehrer. In Gedanken geht er noch einmal seine Sprechrolle durch. Letzte Fotos werden um ihn herum gemacht. Dann zählt Hawi rückwärts: „Zehn, Neun, Acht... ." Lucas umklammert fest seine Trommel, aus den Lautsprecherboxen ertönt das Lied „Lucumayo" und wie von selbst schlagen 500 Kinderhände im Takt dazu auf die mit Ziegenfell bespannten Trommeln, genannt Djembes.
Am Freitagnachmittag tanzten, sangen und trommelten sich 250 Jungen und Mädchen unserer Schule in die Herzen der rund 600 Zuschauer. In der Sporthalle der Verbundschule/Snedwinkela Realschule führten wir das afrikanische Märchen „Das Geheimnis der Zaubertrommel" auf.
Südafrika ist rund 9.600 km entfernt, doch in der letzten Woche waren Kultur, Musik, Tiere und Tanz zu Gast in Neuenkirchen. Zum zweiten Mal erlebten alle Kinder den „Trommelzauber", der aus dem Erlös des Flohmarktes im Februar 2014 finanziert wurde.
Eine besondere Anziehungskraft auf Jung und Alt übte dabei der 55-jährige spanische Musikpädagoge „Hawi" aus. Es brauchte nur einen Trommelschlag und schon klebten wir Schüler regelrecht an seinen Lippen.
Mit rund 100 Eltern stieß der Elternabend am Montag bereits auf reges Interesse. „Das hat mich schon sehr überrascht", freut sich Hawi, „aber auch die Kinder haben ihr Bestes gegeben.
Das Trommeln vermittelt schnelle Lernerfolge und es fördert vor allem die Koordination, die Motorik, das Körper- und Rhythmusgefühl, die Sozialkompetenz, die Konzentration und die Ausdauer. "Die Gruppe fängt den Einzelnen auf, in der Gruppe kann man sich weiterentwickeln", betont Hawi." Jeder Schüler ist Darsteller in einem großen Bühnenstück mit selbstgebastelten Kostümen und liebevoll gestalteten Kulissen.
An zwei Vormittagen berichteten Hans Rocker vom Initiativkreis Südafrika (ISA) und Carina Haase von dem Projekt in Oudtshoorn, aber auch Eltern und Sponsoren standen unterstützend zur Seite.
Am Freitag war dann endlich soweit und die Geschwister Juju (Louis, 10) und Siyabonga (Lina, 9) machten sich auf die Suche nach der Zaubertrommel, um damit den rettenden Regen zu rufen. Das Lied „Mama Sinba lala" machte ihnen Mut und mit einem Stück Zauberholz im Gepäck schliefen sie nach einem Besuch bei den Bäumen im Schutz der Krokodile ein.
Die Sterne und der Mond tanzten um die Kinder herum und sangen das Lied „Ajo, Ajo, Nene".
Auf ihrem Weg trafen sie die Kürbisse. Sie litten auch unter der Trockenheit und hatten große Sehnsucht nach dem Regen. Sie gingen weiter und sahen viele kleine Muscheln. Die Muscheln wünschten ihnen Glück und tanzten zum Abschied.
Wenig später trafen sie Sai-Sai, das Zaubertier. Gegen ein Versprechen gab es den Kindern ein Fell.
Mit Zauberholz und Fell erschuf die Zauberin Abdulei Fatu (Amelie, 10) die Zaubertrommel und der lang ersehnte Regen setzte ein.
Dank der Unterstützung der Trommelaffen wurden die Klänge der Trommel von Sekunde zu Sekunde lauter.
Alle Schüler kamen zusammen und unter dem tosenden Applaus des Publikums tanzten wir gemeinsam in der Turnhalle. Mit der Zugabe „Wir sind Kinder einer Welt" verstummten langsam die Trommelschläge.
Schulleiterin Angelika Fenk-Stein zieht ein positives Resümee aus der Woche. „Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner die Zeit". Fünf Tage durften wir den Trommelzauber erleben, und es war auch für uns eine wichtige Erfahrung, die Zeit zu haben für ein Thema, für eine Sache. Ich mache was, du machst was, wir machen etwas gemeinsam."
Die Klassenlehrerin Ursula Franzke erhielt an diesem Nachmittag Besuch von Schülerinnen aus ihrer vergangenen Jahrgangsstufe und auch unser ehemaliger Konrektor, Karl-Heinz Rocks, schaute vorbei.
Ein Teil der der Spenden wird dem (ISA) überreicht, über die weitere Verwendung wird in den nächsten Tagen entschieden.
(Fotos: Zasche, Sander, Heuermann-Spittler)